Freitag, 27. April 2018

Reclam in Leipzig

Leipzig - Noch bis zum 03. Juni des Jahres läuft im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in der Nationalbibliothek in Leipzig eine Ausstellung, die ganz den kleinen, heute meist gelben Bändchen des Reclam-Verlages gewidmet ist:


Von Phillipp Reclam jun. Verlag GmbH - Reclam-Verlag, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8501400

Universal. Reclams Jahrhundertidee – Leipzig 1867 bis 1990


Deutsches Buch- und Schriftmuseum

"Zum 150. Geburtstag des ersten Heftes von Reclams Universal-Bibliothek (RUB) widmet das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek der Idee des Verlegers Anton Philipp Reclam (1807–1896) eine Kabinettausstellung. Die älteste noch existierende deutschsprachige Taschenbuchreihe – bis in unsere Tage die Marke des Verlags – versprach "ein Erscheinen sämtlicher classischer Werke unserer Literatur" zum Niedrigpreis. Auch heute noch gilt die in Leipzig gegründete Universal-Bibliothek als Herzstück des Reclam-Verlages. Der niedrige Preis bei hoher Auflage erlaubte eine maximale Verbreitung von Texten und steht für den modernen Gedanken einer Literaturversorgung für alle.

Politisch vom Vormärz geprägt, verband Reclam die goethezeitliche Bildungstradition mit verlegerischem Geschäftssinn. Mit dem Ziel, einmal gedruckte Texte dauerhaft zu niedrigen Preisen lieferbar zu halten, nutzte Anton Philipp Reclam die Neuregelung des Urheberrechts zum Stichtag 1837: Die Bundesversammlung des Deutschen Bundes hatte das Recht der Autorinnen und Autoren auf 30 Jahre nach dem Tod beschränkt. Deren Texte konnten daher ab dem 9. November 1867 als gemeinfrei nachgedruckt werden, das Gesetz befreite den Verleger von der Vergütung der Autorinnen und Autoren. Bereits am Tag nach Inkrafttreten des Gesetzes ging der erste Band von Reclams Universal Bibliothek (RUB) über die Verkaufstheke.

In Zeiten, in denen das Urheber- und Verwertungsrecht zu einem wichtigen Thema des kulturellen Diskurses geworden ist, lohnt ein Blick auf die Geschichte des Urheberrechts.

Anhand ausgewählter Exponate, vorwiegend aus der Sammlung von PD Dr. Hans-Jochen Marquardt, Halle, konzentriert sich die Schau auf wenige Schlaglichter mit dem Schwerpunkt der Leipziger Produktion. Ausgehend vom "Klassikerjahr" 1867 wird der Blick auf die Buchgestaltung, die technische Herstellung und innovative Werbemethoden der Reihe gerichtet.

Die Schau fragt auch nach Reclams Universal Bibliothek im Krieg und nimmt Feldbücherei und Tarnschriften in den Blick. Ferner stellt die Kabinettausstellung Reclams berühmten Bücherautomaten vor, vermittelt einen Eindruck vom thematischen Profil der Universal-Bibliothek in der DDR und zeigt, wie der Verlag seine zahlreichen Jubiläen zu zelebrieren wusste.

Information und Kontakt

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr, Feiertage 10–18 Uhr
Führung: Freitag, 18. Mai 2018, 11 Uhr

Eintritt frei"

Donnerstag, 26. April 2018

Deutsche Bücher in Israel

Düsseldorf - Wir hatten gestern im Heinrich Heine Antiquariat in der Citadellstraße überraschenden Besuch aus Haifa.


Von © 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45065547

Die Tür zu unserem Laden öffnet sich und ein freundlicher älterer Herr, hager, im schwarzen Anzug, weißer Bart, Kippa, stellt sich auf englisch vor. 

Er sei Gabi Goldwein aus Israel und würde mir gerne ein paar Bücher zeigen, die er sorgfältig aus dem mittelgroßen Rollkoffer holt und mir zur Begutachtung eines nach dem anderen sorgfältig auf den Schreibtisch legt.

Ausnahmslos interessante Titel, aber leider alle in einem fürchterlichen Zustand, der sie für uns völlig unverkäuflich macht.

Goldwein kann an keinem deutschen Buch vorübergehen, er muß es retten, berichtet er uns - ich erzähle ihm von Peter Sodann und seiner DDR-Bibliothek.


Ausriß aus: http://irgun-jeckes.tz7ui9a4hlek52n.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2016/02/publication-277.pdf

Nach einer längeren Unterhaltung und dem Einräumen seiner Bücher zieht Mr. Goldwein weiter, er will es in den wenigen noch verbliebenen Laden-Antiquariaten unserer Stadt versuchen, wir wünschen ihm viel Glück.

Christoph Schäfer (Heinrich Heine Antiquariat, Düsseldorf)

Hier noch einmal der hochinteressante, oben bereits verlinkte Text von Caroline Jessen in englischer Sprache.


Mittwoch, 25. April 2018

Welthauptstadt des Buches

Athen - Seit dem 23. April 2018 ist die griechische Hauptstadt für ein Jahr auch die erste unter den Bücherstädten der Welt.


From Wikimedia Commons, the free media repository
Von der UNESCO gekürt, wird es das ganze Jahr über kulturelle Veranstaltungen mit Büchern und zum Thema Buch geben.
Eine der größten Athener Buchhandlungen, "Politeia", wird sicherlich dazu beitragen, wie auch der Antiquar Phaidon Theodorou von "Andromeda Books", ein auf archäologische Titel und griechische Klassik spezialisiertes Antiquariat, seine Chancen nutzen wird.

Dienstag, 24. April 2018

Ein Beitrag zur Kultursoziologie des Antiquariats im Internetzeitalter

(c) Antiquariat am Mehlsack

Ravensburg - Dr. Andreas Kleemann, der gelehrte Inhaber des "Antiquariats am Mehlsack" in Ravensburg, hat eine kleine, aber feine Analyse der Situation eines Ladenantiquariats online gestellt, die sich u.a. mit dem "Stöbern" und dem "Heiligen" im Antiquariat auseinandersetzt.

(c) Antiquariat am Mehlsack

Sonntag, 22. April 2018

antiquariat.de-workshop

(c) boscop.org
Berlin - Am heutigen Sonntag traf sich eine Arbeitsgruppe der GIAQ e.G. auf der Hasenheide, um über Verbesserungen von antiquariat.de zu sprechen.





Entspannt und kollegial wurden zahlreiche Ideen diskutiert und Änderungen geplant, über die demnächst ausführlicher zu berichten sein wird.


(c) GIAQ e.G.


Donnerstag, 19. April 2018

Historisches für Antiquare in der Toskana

Siena - Für die Italophilen unter uns Antiquaren findet diesen Sommer eine interessante Weiterbildung an einem spannenden Ort statt:


Von Edisonblus - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11633566
Die scuola estiva (Sommerakademie) 2018 findet vom 27. bis zum 30. August in Torrita di Siena im oben verlinkten Convento statt.

Hier Auszüge aus dem Programm zum Thema "Antiquariat und bibliothekarisches Sammeln: Geschichte und Methode" mit hochkarätigen Referenten:

Antiquariato e collezionismo librario:

storia e metodo


Torrita di Siena, Residence Il Convento, 

27-30 agosto 2018


Le moderne trasformazioni legate principalmente all’e-commerce stanno profondamente modificando il mercato del libro antico, non solo in Italia. Se a ciò si aggiungono alcune esecrabili vicende della cronaca recente, che hanno gettato oscure ombre sul mondo del collezionismo e dell’antiquariato librario, si comprende perché i tempi siano maturi per ripensare a una tradizione che tanta parte ha avuto nella storia culturale anche italiana. Alcuni studi recentemente pubblicati hanno contribuito a inquadrare meglio il fenomeno del collezionismo e dell’antiquariato librario nell’Italia tra Otto e Novecento. Facendo tesoro di questi casi esemplari, il corso intende fissare l’attenzione sul metodo, non ovvio, con cui approcciare questa realtà, mostrando come antiquari e collezionisti abbiano contribuito a scrivere pagine importanti della storia culturale italiana negli ultimi due secolo. L’immersione in un eccezionale contesto naturalistico e artistico come il borgo di Torrita di Siena, in Val di Chiana (a pochi chilometri dall’autostrada, ma raggiungibile anche in treno, non lontano da Pienza, Montepulciano e Cortona) e la formula residenziale vorrebbero favorire l’instaurarsi di un clima fecondo di lavoro, ma conviviale nelle modalità di svolgimento. Lo sforzo di contenimento dei costi consente di offrire ai partecipanti un’occasione unica di formazione e conoscenza.
Destinatari
Il corso si rivolge a studenti universitari, neolaureati e dottorandi di ricerca nelle discipline del libro, bibliografia e storia del libro e dell’editoria, ma anche a tutti coloro, bibliotecari, collezionisti, amatori e bibliofili, che hanno interesse per il libro antico a stampa.
Docenti del corso
Edoardo Barbieri Università Cattolica di Brescia
Fabio Massimo Bertolo Minerva Auctions
Mario Giupponi Presidente dell’Associazione Librai Antiquari Italiani
Giancarlo Petrella Direttore de «L’illustrazione», editrice Olschki
Luca Rivali Università Cattolica di Milano
Programma
Lunedì 27 agosto
14.00                Registrazione
14.30                Saluti di Giacomo Grazi, Sindaco di Torrita di Siena, e di Simona Giovagnola, Presidente della Fondazione Torrita Cultura.
15.00-16.30      Luca Rivali, Metodo e passione: cosa vuol dire collezionare libri
16.30-17.00      Pausa
17.00-19.00      Edoardo Barbieri, Il mercato antiquario nel suo quadro storico
19.30                Cena presso il ristorante La Ripicca
Martedì 28 agosto
9.00-11.00        Luca Rivali, Principi e borghesi: appunti per una storia del collezionismo librario
11.00-11-30      Pausa
11.30-13.30      Edoardo Barbieri, Profilo di un antiquario: Leo Samuel Olschki
13.30                Pranzo a buffet
15.00-17.00      Luca Rivali, Collezionisti e antiquari: Ugo Da Como e i librai del primo Novecento
17.00-17.30      Pausa
17.30-19.30      Edoardo Barbieri, Oltre i manuali: l’antiquariato di casa Hoepli
Visita guidata alla cittadina di Torrita di Siena
20.30                Cena libera
Mercoledì 29 agosto
9.00-11.00        Luca Rivali, Collezionisti e bibliotecari: Ugo Da Como e le biblioteche del primo Novecento
11.00-11.30      Pausa
11.30-13.30      Edoardo Barbieri, Tra antiquariato e collezionismo: il caso Giuseppe Martini
13.30                Pranzo a buffet
15.00-17.30     Pienza, Palazzo Piccolomini: Edoardo Barbieri, Come si legge un catalogo di antiquariato
18.00-19.30      Pienza, Palazzo Piccolomini. Incontro pubblico in occasione dell’uscita del catalogo degli incunaboli della collezione di Paolo Tiezzi Maestri, a cura di Alessandra Panzanelli Fratoni. Intervengono Giancarlo Petrella, Mario Giupponi e Fabio Massimo Bertolo. Modera Edoardo Barbieri. In collaborazione con la Società Esecutori Pie Disposizioni.
20.00                Cena a Pienza e rientro a Torrita
Giovedì 30 agosto
9.00-11.00        Giancarlo Petrella, Ritratto di un collezionista: la biblioteca ritrovata di Renzo Bonfiglioli
11.00-13.00      Luca Rivali, Falsi, facsimili e restauri: Ugo Da Como e i suoi libri
13.00-13.15      Edoardo Barbieri, Conclusioni

Dienstag, 17. April 2018

Gemeinschaftskatalog 2018 erscheint bald

Berlin - Der 9. Gemeinschaftskatalog der Antiquare wird Ende Mai versendet. Katalogbestellungen für Interessierte, die nicht im Verteiler sind, unter service@antiquariat.de.

(c) GIAQ e.G.

Montag, 16. April 2018

Ein Beitrag gegen den Rassismus ...

Juden müssen Gehsteige putzen, Wien, März 1938, Copyright: Public Domain
... und ein weiterer gegen die Zensur. Zwei amerikanische Antiquare legen - aus gegebenem Anlaß (?) - neue thematische Listen vor.

Heinrich Heine, Reisebilder 1831, 2. Auflage

Brian Cassidy aus Silver Spring/ Maryland bei Washington veröffentlicht eine hochinteressante Liste zum Thema "Rassismus", die er nicht nur mit Büchern bestückt.

Sein Kollege Richard C. Ramer, New York und Lissabon hat zahlreiche zensierte, verbannte und verbrannte Bücher in einer gar nicht so kleinen Liste online gestellt.

Absolut nachahmenswert!

Mittwoch, 11. April 2018

DER Salon beginnt am Freitag dieser Woche ...

Paris - Vom 13. bis 15. April 2018 findet im Grand Palais der Salon International du Livre rare ... unter dem Patronat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron statt.


By Gérard Ducher (user:Néfermaât) [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], from Wikimedia Commons
Dies nur als Erinnerung, wir berichteten hier bereits am 21.12.2017 darüber.

Dienstag, 10. April 2018

Antiquariatsmarkt in Frankfurt am Main

Frankfurt - Am 22. April 2018 wird die Rhein-Main-Antiquaria von 11 bis 17 Uhr im Saalbau Bornheim stattfinden.

(c) saalbau.com
Veranstalter ist das Steeler Antiquariat aus Essen.
25 Antiquariate aus dem gesamten Bundesgebiet bieten vom alten Kinder-Bilderbuch, illustrierter Literatur, historischen Reisebeschreibungen, Orts- und Landeskunde oder Titeln der Natur- und Geistesgeschichte, Technik sowie zahlreicher anderer Gebiete ihre seltenen, alten und besonderen Titel an. 

Ebenso wird ein ausgewähltes Angebot an Landkarten, Städteansichten, Schulwandbildern und dekorativer Graphik zu finden sein. Nähere Informationen finden Sie hier.

Samstag, 7. April 2018

Antiquariat seit 1879: Blackwell's Rare Books

Oxford - In der Broad Street der ehrwürdigen Universitätsstadt findet sich eines der ältesten Antiquariate Englands, wenn nicht der Welt. 

(c) Blackwell's

Seit dem 1. Januar 1879 existiert dieses Unternehmen, das von Benjamin Henry Blackwell als Seltenheitsantiquariat, mit dem zusätzlichen Angebot von Gebrauchtbüchern gegründet wurde. 



Er war später auch Gründungsmitglied der ABA (Antiquarian Booksellers Association), ein wichtiges Mitglied der ILAB.


(c) Blackwell's: Sir Basil Henry Blackwell (1889 - 1984)

Sein Sohn, der nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1924 das Geschäft übernahm, führte es über Dekaden in die Moderne. Er ist übrigens der einzige Buchhändler, der jemals zum Ritter geschlagen wurde.

Donnerstag, 5. April 2018

Ein berühmtes Vorbild aus Augsburg

Augsburg - "Konrad Peutinger (* 14. Oktober 1465 in Augsburg; † 28. Dezember 1547 ebenda) war ein Jurist, Humanist und Antiquar. Als Augsburger Stadtschreiber war er einer der wichtigsten Politiker der Reichsstadt in der Reformationszeit. Er war Berater von Kaiser Maximilian I. und dessen Nachfolger Kaiser Karl V."
ex: wikipedia

gemeinfrei, lt. wikipdia
Ein Literaturhinweis zum Thema:

Konrad Peutinger.  Ein Universalgelehrter zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Bestandsaufnahme und Perspektiven.  Herausgegeben von Rolf Kießling. 
In der Reihe "Colloquia Augustana" wird als 36. Band im Oktober 2018 bei De Gruyter gebunden erscheinen.
270 Seiten. 10 s/w Illustrationen. 
978-3-11-057258-2 
59.95 EUR        

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APeutinger_Gedenktafel_Augsburg.jpg

"Die Buchreihe des Instituts für Europäische Kulturgeschichte in Augsburg versammelt Beiträge zur Kulturgeschichte der europäischen Vormoderne, ihrer antiken und mittelalterlichen Voraussetzungen sowie ihrer in die Moderne hineinreichenden Aus- und Nachwirkungen. Neben Themen wie Information, Wissen, Medien- und Kommunikation sowie historische Netzwerkforschung geht es um Fragen der europäischen Erinnerungskulturen und kollektive Identitäten.

Dr. Konrad Peutinger (1465-1546) verkörperte als Stadtschreiber von Augsburg, als Politiker, Gelehrter und Kunstsammler das, was in Italien mit dem Begriff des 'uomo universale' benannt wurde. Er prägte über lange Jahre die Politik der Reichsstadt und agierte vielfach im Brennpunkt des Reichsgeschehens. Als Humanist sammelte er mit über 2000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken nördlich der Alpen. Und er stand als führende Persönlichkeit der sog. "Sodalitas Augustana" in Kontakt mit vielen gelehrten Zeitgenossen, edierte römische Inschriften und war maßgeblich an der Selbstinszenierung Kaiser Maximilians I. beteiligt. Der vorliegende Band dokumentiert eine Tagung zum 550. Geburtstag Peutingers mit dem Ziel, die breite Palette seiner Tätigkeiten zu würdigen: den Stand der Forschung zu rekapitulieren, neue Akzente zu setzen und Anregungen für weitere Studien zu geben. Das Themenfeld reicht deshalb von seinen ganz spezifischen Anteilen an der städtischen Politik und Publizistik über Aspekte seiner Wissensfelder und Mediennutzung bis zur kritischen Beleuchtung des Umgangs mit der Erinnerungskultur."
Text: Verlag