Sonntag, 17. September 2017

1968 – Pop, Protest und Provokation in Westfalen

Oelde - Am 24. September um 16.00 Uhr wird eine Ausstellung zur 1968er-Bewegung auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg eröffnet.

Von Varus111 - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8843734

"Anti, anders, revolutionär – das sind Stichworte, die das Herz der 1968er-Generation bewegten. Die Ausstellung "Pop, Protest und Provokation" zeigt anhand literarischer, fotografischer und filmischer Dokumente, dass man in Westfalen während der 68er-Bewegung keineswegs „hinter dem Mond“ lebte. Es entwickelte sich eine lebendige Underground-Szene, Franz Josef Degenhardts Protestsongs waren in aller Munde und amerikanische Muster der Beat-Generation wurden adaptiert, um sie in der Lyrik und im Journalismus weiterzuentwickeln. Dieser bunte Mix wird so im Museum für Westfälische Literatur erstmals als Gesamtbild präsentiert. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 24. September, um 16.00 Uhr."

Pflasterstein mit Anstecker „Enteignet Springer“, 1969 Sammlung Kindheit und Jugend (Stiftung Stadtmuseum Berlin), Wallstraße, Berlin-Mitte

„1968 ließen sich auch in Westfalen zahlreiche junge Autoren von der Underground-Literatur in den USA zu eigenen Texten anregen. Es wurden Happenings inszeniert, Pop-Art-Filme gedreht, avantgardistische Zeitschriften gegründet und auf der Theaterbühne der Versuch unternommen, politisches Volkstheater ins Leben zu rufen“, sagt der Museumsleiter und Ausstellungsinitiator, Professor Walter Gödden. Diese Vielseitigkeit veranlasste Gödden dazu, in seinem gleichnamigen Buch zur Ausstellung „1968 – Pop, Protest und Provokation“ unterschiedlichste Texte aus dieser Zeit zusammenzutragen und eine Rundumschau der damaligen Bewegung zu schaffen.

„Die Autoren wollten mit ihren Texten agitieren, mobilisieren und provozieren. Ihr ästhetischer Anspruch war eher gering. Es ging den Autoren nicht darum, einen neuen Goethe zu erfinden“, fasste Walter Gödden die Beweggründe der Literaten dieser Zeit zusammen. Unter dem Motto der Provokation standen bereits die beiden Prologausstellungen „We want to make a Revolution - Der Herforder Jaguar-Club“ und „Sexy, Mini, Flower, Pop-Op. Charles Wilp: Werbung, Fotografie, Universalkunst“. Die dort angesprochenen Themen der Erotik und der sexuellen Befreiung spielen auch in die Hauptausstellung hinein, die einen Blick auf die höchst heterogene Literaturszene der 1968er Jahre wirft.

Die Bedeutung dieser Bewegung für Westfalen zeigt sich dabei vor allem in der sozialen Literatur, die in dieser Zeit starke Wurzeln ausbilden konnte. So wurde auch Literatur als Massenbewegung zu einem Thema. All diese Aspekte werden in der Ausstellung aufgegriffen, die bis zum 28. Januar im Museum für Westfälische Literatur zu sehen sein wird. Im Frühjahr 2018 soll dann der Ausstellungs-Epilog „Mein 68“ folgen. Für diese Schau kann jeder sein Lieblingsexponat – sei es Text, Buch oder Schallplatte - aus dem Jahr 1968 zur Verfügung stellen. Unter der Beteiligung von Autorinnen und Autoren sollen diese Exponate Gegenstand einer Museumsinstallation werden und in eine Dokumentation einfließen. Auch dem Nachhall und den Auswirkungen dieser epochalen Bewegung auf den Einzelnen bis in die heutige Zeit versucht das Ausstellungsexperiment damit in Form persönlicher Exponate Rechnung zu tragen.

Eine Ausstellung der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Verbindung mit dem Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn (IMT) und dem Kulturgut Haus Nottbeck. Ausstellungsinstallation und Gestaltung: Jeremias H. Vondrlik. Das Projekt wird gefördert durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost."

(c) Aisthesis Verlag

Das Materialienbuch „1968 – Pop, Protest und Provokation“, herausgegeben von Walter Gödden in Verbindung mit Fiona Dummann und Claudia Ehlert, erschien im Aisthesis Verlag und kann für 29,80 Euro im dortigen Literaturmuseum oder im Buchhandel erworben werden.

Freitag, 15. September 2017

Walther Rathenau in der Deutschen Nationalbibliothek

Frankfurt am Main - Das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 der Deutschen Nationalbibliothek lädt zu folgendem Vortrag ein:

"Walther Rathenau – Leben und Werk eines konservativen Liberalen // Vortrag von Wilhelm von Sternburg // Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main // Donnerstag, 5. Oktober 2017, 19 Uhr

Geboren vor 150 Jahren, wurde der spätere Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, zum Repräsentanten eines neuen Bürgertums, das den wirtschaftlichen Aufbruch Deutschlands und den Weg der europäischen Staatenwelt in den Ersten Weltkrieg entscheidend mitbestimmen sollte. 

Von Bundesarchiv, Bild 183-L40010 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5435081

Dabei blieb er stets ein Außenseiter – auch als Jude in einer Gesellschaft mit latentem und bald virulentem Antisemitismus. Als Walther Rathenau 1922 von Rechtsradikalen auf offener Straße niedergeschossen wurde, versammelte sich das demokratische Deutschland zum letzten Mal zu einem massenhaften Protest gegen den rassistischen Wahn und die Stimmen der Gewalt, die die deutsche Republik schließlich zerstören sollten.




Von Unbekannt - Bild-Archiv Kultur u. Geschichte, München, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3012322



























Der Publizist Wilhelm von Sternburg spricht über Leben und Werk eines konservativen Liberalen, der die Widersprüche seiner Epoche widerspiegelt."
Eintritt frei
Die Bibliothek bittet um Anmeldung unter  oder +49 69 1525-1961.

Samstag, 9. September 2017

Mehr Bücher im Büchermeer ...

Lyon - In einer kleinen Seitenstraße, der rue Joséphin Soularyunweit des Zentrums der Rhonestadt liegt das bescheidene Büro von livre-rare-book, der französische Partner der GIAQ e.G. und ihrer deutschen Buchplattform antiquariat.de.




Neben der eigenen französischen Plattform mit 570 Antiquaren und ihren 3 Millionen Büchern betreibt Pascal Chartier für seine europäischen Freunde auch noch marelibri.com, dort werden von 2000 Händlern u.a. aus den Niederlanden (antiqbook.com), Deutschland (antiquariat.de), Frankreich (livre-rare-book.com), Spanien (uniliber.com) und Italien (maremagnum.com) ungefähr 20 Millionen Bücher angeboten.

Seit 2007 arbeiten die Partner zusammen, zwischenzeitlich kam noch eine amerikanische Plattform (biblio.com) hinzu, zusätzlich werden auch die Angebote der ABAA, der IOBA und der "Books at PBFA" mit durchsuht und passende Ergebnisse angezeigt.


Dieses Portal vereinigt das Angebot aller separaten Plattformen der Vereinsmitglieder und kann mit einer einzigen und in ihrer Funktion herausragenden Suchmaschine recherchiert werden. Buchliebhaber können damit auf mehr als 20 Millionen Buchtitel von etwa 2000 Antiquaren und Buchhändlern zurückgreifen.





Eine der letzten Neuerungen der Mannschaft in Lyon war die Erstellung einer App für Android-Smartphones, die marelibri durchsucht. Wenn man den obigen QR-Code scannt, sollte sich die App öffnen. 

Mangels technischer Ausrüstung konnte der Chronist diese Funktion leider nicht selbst testen.




Donnerstag, 7. September 2017

Aus dem Arbeitszimmer ins Antiquariat und wieder zurück - die Wege des Antiquariats Beutler

Bremen - In der Bremer Schildstraße wirkt quasi im Verborgenen der Antiquar Edgar Beutler, der sich uns hier vorstellen wird.


Sagen Sie mal, lesen Sie eigentlich?


"Als ich vor Jahren in einem Antiquariat, das vor allem Bücher nach 1945 führte, einen Job annahm, hielt ich diese Arbeit für eine anziehende Zwischenlösung, die den Vorteil bot, mich ganz nahe an die Bücher zu bringen, die ich mir nicht leisten konnte und all die Bücher, von denen ich nur gehört hatte und die ich jetzt bekommen konnte: denn ich war der Erstsichter und es lag an mir, mich für oder gegen sie zu entscheiden. Und sollte ich von mir gemeint haben - wenn ich ein Buch ins Schaufenster legte - dass ich zu den wenigen gehörte, die dieses oder jenes Buch lasen, so konnte ich sehen, dass das erfreulicherweise nicht stimmte, denn sie wurden schnell wieder aus dem Schaufenster gepflückt und zu mir, der ich an der Kasse stand, gebracht. Tolles Erlebnis. Aus der Passion mitten in den Umtrieb."

Kann man von dieser Arbeit überhaupt leben?

"Tatsächlich konnte man von dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten, das hatte ich nicht recht glauben wollen. Ich machte mich schnell selbständig, entschloß mich, neben Kunst, Philosophie und eben der schönen Literatur, Kenntnisse für andere Gebiete zu erwerben, denn ich konnte mich ja nicht immer nur wärmen und den Neigungen nachgeben – tatsächlich wollte ich nichts mehr sein als ein Neigungs-Antiquar. Viele der Bücher, die ich später ankaufte, wurden älter und ehrerbietiger, das Sortiment breiter; wenn es auch dauerte. Die Vorstellung, eine Bibliothek zu beherbergen und zu betreuen, dann die Bücher wieder ziehen zu lassen, nachdem sie durch meinen Besitz gelaufen sind und mich neuen zuzuwenden, ist betörend genug. Die Verfügbarkeit, an ein Regal zu wandern, manchmal wild zu lesen, zuweilen zu flanieren im Text und schließlich sich einzulesen, ist neben der Nüchternheit des Geschäftsalltags ein bleibender Euphemismus.
Wenn ich auch die Tätigkeit mit Fleiß und Mühe zu dem zu machen hatte, was nach meinen Begriffen, „Arbeit“ war, es blieb eine Tätigkeit, die mir viel Zeit ließ und bei aller Ernsthaftigkeit des Handelns nicht an das heranreichte, was an Plackerei oder Mühsal erinnert. Natürlich: Sorgen, ob es reicht; öfter mal. Die Erwerbung von Fähigkeiten, die meinen Geschäftssinn stärken sollten, vernachlässigte ich auch noch.
Dass man also tatsächlich mit solchen Eigenschaften, als da sind: wenig Geschäftssinn, mit dem Habitat und dem Habitus des Lesers und einem zurückhaltenden Auftreten ein Geschäft durch 20 Jahre bringen kann, das ist ein starkes Argument für diesen Beruf und für mich Anlass zu frohem Sinn. Denn man kann sich das Geschäft so einrichten, wie es zu einem passt. Das ist der eigentliche Charme dieses Berufs, dass er die Individualität gestattet. Man muß sich nicht zurechtrücken und keine Berufsmontur anziehen. Die Stellenbeschreibung hinsichtlich Arbeitsinhalten, Zeitplanung und Zielen entwirft man eben selber. Und meine Homepage ist karg wie ein zertrümmerter Stein. Ich muss nicht so tun, als wollte ich mit der Zeit gehen oder als müßte ich. Ich hörte oft, dass meine Homepage meine Visitenkarte sein soll. Dann soll die Schlichtheit die Visite machen."


Sollte man nicht einen Laden haben?

"Aus dem Ladengeschäft zog ich mich nach 10 Jahren zurück. Kein Schaufenster mehr: schade. Vorbei das Vorführen der Bücher dem aufgeschlossenen Kunden: auch schade. Sich selbst aber das Absitzen von Öffnungszeiten ersparen mitsamt der Entrückheit von dem Treiben auf der Straße: Klasse!  Für das Quartier und die urbanen Flaneure bedeutet das Verschwinden eines Antiquariats ein Verlust an Ambiente, aber darüber hinaus halten sich die Verlustanzeigen in Grenzen.




Was den Ankauf betrifft, so bin ich ein Herumfahrender, der pflückt und manchmal gräbt. Wenn man für einen Ankauf mal vor einer Bücherwand steht, dann weiß man, dass man das Wissen mit sich herumträgt. Was ich nicht mache: Riesenmengen an Kisten aus Wohnungen tragen. Mit dem Rückzug aus dem Laden geht das. Es ist die freundliche  Stille zur Tätigkeit zurückgekehrt. Ich genieße das bis heute. Das Verschriftlichen des Gegenständlichen braucht eine gewisse Mentalität. Der Wechsel von Rückzug und Auszug, Einkehr und Auskehr ist mir sehr angenehm. Aber ganz anders, als man vielleicht denkt, verschafft das Pensum viele soziale Freiräume. Und Programmkinos, Theater, Kunsthalle sind auch noch in Laufweite. Das Grundgefühl, eigentlich immer die Zeit zu haben, die man verlangt, ist durch nichts zu toppen."


Antiquariat Beutler
Edgar Beutler
Schildstraße 1
28203 Bremen
Tel.: 0421 703005

www.Antiquariat-Beutler.de







Mittwoch, 6. September 2017

To read: Book Row ...

NY, Fourth Avenue/ 10th Street, (c) NYPL 
New York - Bereits im Jahre 2004 ist das sowohl für Sammler, als auch Antiquare interessante Buch "Book Row - An Anecdotal and Pictorial History of the Antiquarian Book Trade" von Marvin Mondlin und Roy Meador bei Carroll & Graf in New York erschienen.

Darin wird die Geschichte von fast 50 Antiquariaten und ihren Inhabern aus einer Zeitspanne von mehr als 70 Jahren anschaulich und mit Dokumenten sowie einigen Photographien illustriert geschildert.

Das Fazit der Kollegen, die auch schon zu ihrer Zeit mit zahlreichen Problemen wie Mieterhöhungen, Kündigungen, Razzien wegen angeblicher Verbreitung von Pornographie, Hehlerei und dem Aufkommen von Massenware, die verramscht werden mußte, zu tun hatten: reich sind wir nicht geworden, aber es hat Spaß gemacht.

Das Besondere an der "Book Row" war, daß an einer einzigen Straße (und in ihrer Nähe) in New York zeitweise gleichzeitig mehr als 30 Antiquariate angesiedelt waren.

Der Zusammenschluß der an der Fourth Avenue gelegenen Antiquariate zu einer Interessengemeinschaft war neben der ILAB-Gründung (International League of Antiquarian Booksellers) letztlich sogar Vorbild für die Gründung der ABAA, der Antiquarian Booksellers' Association of America.

Der Niedergang begann, als in den 1960er Jahren die Bodenspekulation in New York dazu führte, daß die Gebäude, in denen sich die Antiquariate befanden, abgerissen wurden, um sehr viel höheren und somit lukrativeren Platz zu machen.

Zahlreiche Traditionshäuser existieren seitdem als reine Versand- oder Etagenantiquare, der einzige der Läden, der nach seinem Umzug an den nahegelegenen Broadway bis heute überlebt hat ist ein ganz besonderer: "The Strand".

Von Beyond My Ken - Eigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17344045

The Strand Bookstore, at 828 Broadway at the corner of East 12th Street in the East Village neighborhood of Manhattan, New York City, near Union Square, advertises that they have "18 Miles of Books". When it was founded in 1927 on nearby Fourth Avenue, it was one of 48 bookstores along what was called "Book Row", which began in the 1890s, but did not survive into the 1980s. (Source: "Strand History" at the Strand Bookstore website)
Dem Schreiber dieser Zeilen ist vergleichbar nur der verdienstvolle, von Christian Lenhardt herausgegebene Band von Erich Carlsohn, "Lebensbilder Leipziger Buchhändler", 1987 bei List und Francke erschienen, bekannt, der sich auch mit den dort arbeitenden Antiquaren beschäftigt. 

Einmal ein ähnlich interessantes Buch über die Antiquariatsgeschichte der letzten hundert Jahre in Wien oder Berlin zu lesen wäre ein großer Gewinn für uns alle.

Mondlin/ Meador: 
Book Row
New York, Carroll & Graf 2004
XXI; 405 p. ills.
ISBN 0-7867-1305-4

Dienstag, 5. September 2017

INKA - Inkunabeln im Netz

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=592214
Tübingen - Wer nach bibliographischen Angaben zu einer Inkunabel sucht kann im Inkunabelkatalog der Universität Tübingen fündig werden.

Es handelt sich hierbei nicht nur um eine einfache Auflistung der Tübinger oder Baden-Württembergischen Wiegendrucke, sondern um einen Metakatalog, der sowohl die Angaben mehrerer gedruckter Kataloge enthält, als auch Ergebnisse dutzender Bibliotheken liefert.

INKA ist nach wie vor im Aufbau, aber schon heute die größte frei zugängliche Datenbank für Frühdrucke aus den Jahren 1450 bis 1500.

Von Michail Jungierek - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=668066

Sonntag, 3. September 2017

Die Heidelberger Pilzesammler: Antiquariat Canicio

"Chefin" vor dem Laden


Heidelberg - Das Antiquariat Canicio wurde vor 12 Jahren in der Heidelberger Weststadtgegründet, wo wir zu dieser Zeit (in der gleichen Straße) wohnten. Viel war nicht los, Mütter schoben ihre Kinder am Schaufenster vorbei, am benachbarten Kirchturm brüteten Falken, alles recht schön anzuschauen und nur zu halten mit Zuversicht und Internetanschluss. Endlich kam einer mit starken Zahnschmerzen und sucht Lektüre zur Ablenkung. Da war Beratung gefragt, und wir verbuchten es als kleinen Erfolg gegenüber der 200 m entfernten Apotheke.

Zwei Jahre später gelang der Sprung in die brodelnde Heidelberger Altstadt, wo wir das Antiquariat Hoffschult übernehmen, mit unseren Beständen vereinen und unter unserem Namen weiterführen konnten. Für die gewohnte Besinnlichkeit müssen wir nun allerdings Urlaub nehmen. Ideal an der Hauptfahrradverbindung in die Altstadt und vis-à-vis der Universitätsbibliothek gelegen, ist das Antiquariat eine Art akademisches Stadtteilantiquariat geworden mit einer großen Zahl an Stammkunden und in der Ferienzeit zur Ergänzung einem stets neugierigen Anteil an Touristen. Das Antiquariat Hatry und das Antiquariat Schöbel befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft neben weiteren Antiquariaten im gleichen Stadtteil, so dass sich für jeden Buchpilger ein geeignetes Fleckchen Oase findet.

Denn das soll es sein: ein schöner Ort mit ausgesuchten Büchern zu bezahlbaren Preisen. Und so verschob sich nach dem Umzug die Angebotsseite Jahr um Jahr langsam aber sicher immer mehr ins Ladengeschäft und weg vom Internet. Den letzten Ausschlag gab die Angleichung des ZVAB an das Geschäftsmodell von Abebooks, die ja die Eigentümer des ZVAB sind. Hier konnte man den vorgelegten Vertrag erhobenen Hauptes nicht mehr unterschreiben, und so machten wir aus der Not eine Tugend und sattelten endgültig zur genossenschaftlich geführten Buchverkaufsplattform (und mehr noch!) antiquariat.de
um.

Dort verkaufen wir vorwiegend Fachbücher (aus "unwiderstehlichen Spezialan- käufen“ wie z. B. arabische Mathematik, Linguistik u. ä.), und das macht nun nur noch einen geringen Teil unseres Umsatzes aus. Dennoch ein wichtiges Tor zur Welt; wir sind heilfroh, dass es antiquariat.de gibt!

























"Chef" im Laden


Unsere Schwerpunkte sind die Geisteswissenschaften (besonders Philosophie und Altphilologie), die Kunst und die Literatur, aber es gibt auch naturwissenschaftliche Literatur oder Kinderbücher, praktisch von allem etwas auf ca. 70 qm. Zur Straße hin schaut man durch eine Baulücke über einen Schulhof (künftige Leser und eine Kastanie) hinweg auf einen bewaldeten Berghang am Horizont, nach hinten geht der Blick in den wunderbaren Garten (Traumleseort mit Apfelbaum) unserer Vermieter. Dazwischen legen wir Wert auf guten Zustand der Bücher und angenehmen Umgang miteinander (Chef ist – übrigens gelernter Buchhändler – immer vor Ort!). Ein Antiquariat, überhaupt jedes Buchgeschäft und in diesem Sinne natürlich auch jede Bibliothek, ist schließlich in unseren verödenden Innenstädten (wovon man in good old Heidelberg zum Glück noch wenig mitbekommt, wenn man nicht will) nicht allein ein Tempel des Mammon oder ein Depot, sondern auch und vor allem ein Treffpunkt der Bücher und Menschen. Viele Bücher haben besondere Provenienzen aufzuweisen, woraus wir, sofern nicht anders verfügt, kein Geheimnis machen und treffen nun auf ebenso spannende wie gespannte Leser, die genauso wenig wissen, was sie erwartet. Und wenn das Geheimnis der Bücher sich mit der Neugier und Vorfreude der Leser verbindet und als ich-weiss-nicht-wie-ich-das-beschreiben-soll greifbar wird und den Raum erfüllt, dann sind das die schönen Momente, wo jeder ganz bei sich ist und doch im noch ganz Unerforschten, vielleicht wie der Pilzesammler im verwunschenen Wald. So soll es sein!


Kleine Höhepunkte waren bisher der Kauf von jeweils ca. 1000 Büchern aus den Nachlässen von Hans-Georg Gadamer und Alfred Andersch.


Vielleicht noch ein Wort zum Wirtschaften im Zeitalter sinkender Buchpreise. Hier ist es wichtig, die für unsere Kundschaft geeignete Auswahl an Büchern und den Preis zu treffen, der beide Seiten glücklich macht. Wir arbeiten praktisch ohne größere Lagerhaltung immer direkt mit den täglich neu eintreffenden Büchern, was aufwendig ist, aber für den nötigen Buchumschlag und letztlich für den frischen Wind sorgt, der für unsere Art Antiquariat unerlässlich ist.


So machen wir auch keine Kataloge und besuchen keine Messen, man kommt und schaut …


Antiquariat Canicio
Inh. Victor Canicio Vola
Plöck 64a
69117 Heidelberg
Tel 06221-9141261
info@antiquariat-canicio.de


Mo geschlossen (außer im Dezember)
Di – Fr 12.00 - 18.30 Uhr
Sa 11 – 15 Uhr




Mitglied in der Genossenschaft der Internet-Antiquare eG (GIAQ)


Samstag, 2. September 2017

Neu übersetzt: der wichtigste Lyrikband der Moderne

Hamburg -  Im noch Reinbeker Rowohlt Verlag ist soeben die Neuübersetzung der wichtigsten modernen Gedichtsammlung erschienen.



(c) Rowohlt Verlag


Charles Baudelaire

Les Fleurs du Mal - Die Blumen des Bösen

Gedichte. Neu übersetzt von Simon Werle 

Die Neuübersetzung eines Klassikers anlässlich des 150. Todestages von Charles Baudelaire. Eine zweisprachige Ausgabe.
Kaum ein anderes Werk hat die europäische Lyrik so nachhaltig geprägt wie "Les Fleurs du Mal" (1857) des Décadent und Dandy Charles Baudelaire. Bei seinem Erscheinen in Frankreich ein riesiger Skandal, mehrfach verboten und verbrannt, ist dieser Gedichtzyklus zu einem zentralen Text der Moderne geworden. 
Grundthema der "Blumen des Bösen" ist die Biopsie des Abgrunds, der in einem Subjekt aufklafft, das die Entstehung des modernen Bewusstseins als seelische Zerreißprobe durchleidet. Das „Böse“ dieser Blumen meint nicht eine moralische Kategorie oder ein sittliches Urteil, sondern die unerbittliche Analyse des Dämonischen an der Wurzel jeder existentiellen Erfahrung.
Mit ihrer Sprachmagie, ihren Exorzismen der Verzweiflung, ihrer Ästhetisierung des Makabren, Bizarren und Morbiden, und nicht zuletzt mit ihrer gewagten Erotik, markieren "Die Blumen des Bösen" einen Höhe- und Wendepunkt der französischen Dichtung: in ihrer formalen Perfektion noch der Verskunst des Klassizismus und der Romantik verpflichtet, sprengen und überschreiten sie deren inhaltliche Modelle und erschließen psychologisch wie soziologisch völlig neue Dimensionen.
(c) Rowohlt Verlag

Freitag, 1. September 2017

E. T. A. Hoffmann - digitales Recherche-Hilfsmittel




Neue freie Datenbank: E.T.A. Hoffmann Portal


Das frei zugängliche E.T.A. Hoffmann Portal ist jetzt im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen.
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Es handelt sich um ein einzigartiges Angebot, das digitalisierte Quellen zur Verfügung stellt, sowie die Möglichkeit der Literaturrecherche in unterschiedlichen Katalogen, Datenbanken und Bibliographien bereitstellt. Dadurch wird ein großes Spektrum an Themen zu E.T.A. Hoffmann und seinem Umfeld abgedeckt. Die Datenbank befindet sich noch im Aufbau und ist eine Kooperation zwischen der Staatsbibliothek Bamberg und der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft.