Donnerstag, 31. August 2017

Von der Metropole aufs Land: Hansjörg Viesel und sein Magister Tinius

Falkensee - Das Antiquariat Magister Tinius wurde 1976 in Berlin Friedenau als Ladengeschäft von Hansjörg Viesel gegründet. 
Ab 1996 kam das Internet dazu. 1999 wurde das Ladengeschäft aufgelöst und in Falkensee als Versandantiquariat weitergeführt.


Das aktuelle Sortiment des Antiquariats umfasst 15 000 Titel, die über den Online-Katalog seiner Homepage direkt bestellt werden können.



Seit 1978 erschienen regelmäßig zwei Antiquariats-Kataloge jährlich, viele als Varia-Kataloge mit Titeln aus seinen Spezialgebieten.


Der erste Spezial-Katalog widmete sich dem Thema „1945 Die Stunde Null“ – Literatur, Kinderbücher, Zeitschriften und Flugblätter aus der Zeit von 1945 bis 1953.
1990 erschien anläßlich einer Ausstellung über den Verleger Heinrich F. S. Bachmair in der Akademie der Künste Berlin ein Katalog „Der Verleger Heinrich F.S.Bachmair 1890 bis 1960 – Expressionismus, Revolution und Literaturbetrieb“.
Zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht wurden über 870 Titel zusammen getragen. Der Katalog „Der Kalte Krieg in Ost und West 1945 bis 1970 “ enthielt eine große Sammlung von Exponaten mit Broschüren, Flugblättern, Tarnschriften und Plakaten.


Genannt sei noch der Katalog „Poesiealbum 1 – 275“, der zugleich eine Bibliographie der von 1967 – 1990 im Verlag Neues Leben Berlin erschienenen Lyrikhefte war.
Nach seinem Umzug „aufs Land“ ging Magister Tinius online und bietet sein Sortiment im Versand auf seiner Homepage und über Online-Portale des Buchhandels an, so z.B. als GIAQ-Mitglied über antiquariat.de.

Antiquarius: Welche Erwartungen haben Sie an die GIAQ?

Viesel: "Bei der Genossenschaft GIAQ  hoffe ich auf weitere positive Entwicklungen. Bei zunehmenden Restriktionen der Kommerzdatenbanken kann sie langfristig eine Alternative bieten, die uns unabhängig macht und hoffentlich kontinuierliche Verkäufe ermöglicht. Da ich kein Ladengeschäft mehr habe und auch keine Kataloge mehr herausgeben kann, bleibt sie die "große Hoffnung"."

Antiquarius: Gehen Sie heute anders vor als früher, zum Beispiel bei der Preisfindung?


Viesel: "Um bei dem allgemeinen Preisverfall bestehen zu können, muß ich alle Neuaufnahmen mit den Durchschnittspreisen abgleichen. Zugleich dürfen wir nicht den Preisverfall begünstigen, indem wir immer weiter mit den Preisen heruntergehen."
Antiquarius: Was war früher daran anders?

Viesel: Wie schön war die Zeit, als jeder Antiquar seine eigenen Preisvorstellungen erfolgreich aufrufen konnte. Und selbstverständlich war man auch einverstanden, wenn - z.B. Herbert Blank dann für sein eigenes Preisniveau  einkaufte ..."


Das Antiquariat Magister Tinius hat sich auf folgende Sammelgebiete spezialisiert:
  • Buchwesen,
  • Faschismus und Widerstand,
  • Film,
  • Fotografie und Theater,
  • Geographie,
  • Geschichte,
  • Illustrierte Bücher und Kunst,
  • Kinderbücher,
  • Landeskunde,
  • Literatur,
  • Philosophie,
  • Sozialismus und Arbeiterbewegung.
  • Sozialwissenschaften,
  • Studentenbewegung.
Eine detaillierte Themenliste der 15 000 Titel finden Sie im Online-Katalog unter dem Untermenüpunkt „Sachgebiete“.
Wenn Sie Ihre Bücher oder Grafiken verkaufen möchten – wertvolle Einzeltitel oder Ihre gesamte Bibliothek – dann unterbreitet Ihnen Hansjörg Viesel gerne ein Angebot!
Sie erreichen ihn telefonisch zu den folgenden Bürozeiten:
Montag bis Freitag von 9.00 bis 13.00 Uhr. Besuch nach Vereinbarung. Kein Ladengeschäft.
Antiquariat Magister Tinius
Inhaber: Hansjörg Viesel
Lortzingallee 13
D-14612 Falkensee
Telefon: +49.3322.23.83.44
kontakt@antiquariat-magister-tinius.de
www.antiquariat-magister-tinius.de


Mitglied in der Genossenschaft der Internet-Antiquare eG


Dienstag, 29. August 2017

Hinweis auf den blog einer amerikanischen Zeitschrift für Buchsammler

Chapel Hill - Die Zeitschrift "Fine Books & Collections" veröffentlicht auch Beiträge in einem interessanten blog.

"Fine Books & Collections is published in print quarterly. Fine Books & Collections also publishes FBC Notes, a monthly e-letter about the world of book culture and related fields including map and manuscript collecting, fine presses, and art."



101 Europa Drive, Suite 150
Chapel Hill NC 27517
TEL: (800) 662-4834
(M-F, 9 a.m. to 5 p.m., ET)
FAX: (919) 945-0700

Montag, 28. August 2017

Meinhard Knigge, Hamburg: Technik - Handwerk - Naturwissenschaften

Hamburg - Das Antiquariat Meinhard Knigge ist u.a. auf altes Handwerk, Technik und Naturwissenschaften spezialisiert und kommt ohne eigene homepage aus.





Antiquarius: Woher rührt Ihr Interesse an alten Büchern, Herr Knigge?


Knigge: “Meine Begeisterung für Bücher geht – wie wohl bei vielen Antiquaren – schon auf die Schulzeit zurück. Hauptthema war in den späten 60er und frühen 70er Jahren, die ich in Heidelberg verbrachte, natürlich die Literatur von Hesse über Rilke zu Brecht und anderen.”


Antiquarius: O.k., so ging es fast bei allen von uns los, aber wie ging es bei Ihnen weiter?


Knigge: “Die logische Folge war, da ich familiär bedingt auch kaufmännisches und wirtschaftliches Interesse mitbrachte, nach dem Abitur eine Buchhandelslehre. Ich stand jedoch nicht hinter dem Tresen sondern noch etwas weiter weg, da ich drei lehrreiche Jahre im Bibliographischen Institut, vulgo “Duden-Verlag“, in Mannheim erleben durfte.”


Antiquarius: Wie sehr haben Sie diese Erfahrungen für Ihre weitere Arbeit geprägt?


Knigge: “Penible Genauigkeit bei der Bearbeitung von Texten und wichtige, erste Erfahrungen in Satz, Buchdruck und Einbandkunde sind dort bei mir hängen geblieben. Einer meiner Fachkundelehrer an der Berufsschule war ein Mannheimer Buchhändler, in dessen Antiquariat ich während meines nachfolgenden Studiums (Germanistik, Kunstgeschichte und weiteres) immer wieder jobben und erste Erfahrungen mit älteren Büchern machen konnte. Von da an war klar, dass ich Antiquar werden würde und andere Vorstellungen wie Journalist oder Lektor immer mehr in den Hintergrund traten.”




Antiquarius: Aber so ganz richtig ist das nicht, Sie veröffentlichen doch fachlich, oder?


Knigge: “Ja, das stimmt, so ganz kann ich vom Schreiben nicht lassen und bin hin und wieder mit Beiträgen in „Aus dem Antiquariat" vertreten.”


Antiquarius: Nach den Lehr- und Wanderjahren kehrten Sie als gebürtiger Bremer in den Norden zurück und arbeiteten für zwei äußerst renommierte Hamburger Häuser, ist das richtig?


Knigge: “Im Herbst 1985 begann ich bei Hauswedell & Nolte in Hamburg im Antiquariat zu arbeiten. Immer mehr entpuppten sich literarische Werke für mich als „langweilig“ und die Welt der wissenschaftlichen und nicht-literarischen Bücher tat sich von Auktion zu Auktion weiter und weiter vor mir auf. Es folgten sechs Jahre beim Auktionshaus von Henner Wachholtz, die mir viele weitere Erfahrungen bescherten und die ich ebenfalls nicht missen möchte, obwohl die Firma Ende 1994 geschlossen worden ist. Viele Kollegen sind mir in diesen Jahren gute Freunde geworden.”





Antiquarius: Wenn der eigene Arbeitgeber schließt, beginnt man sich darüber Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll, fielen Sie in ein Loch?


Knigge: “Nein, ein halbes Jahr konnte ich noch das Werkverzeichnis des Hamburger Lithographen Wilhelm Heuer für den Wachholtz Verlag und einen Hamburger Sammler betreuen und startete dann Ende des Jahres in die Selbstständigkeit.“


Antiquarius: Können Sie sich noch an Ihr erstes Buch erinnern, das sie gezielt zum Wiederverkauf erworben haben ?


Knigge: “Natürlich. Mein erstes Buch dafür hatte ich schon Anfang 1995 auf der 9. Antiquaria in Ludwigsburg bei einem mir sehr lieb gewordenen Kollegen erworben:


Das Drachensteigen. Eine Anweisung alle Arten fliegende Drachen zu verfertigen und dieselben steigen zu lassen. Mit erläuternden Abbildungen, wie auch Luftballons mit kugelförmigem Ueberzuge zu machen. Ein Beitrag zur ländlichen Belustigung. Mit 1 gefalteten Kupfertafel. Leipzig, 1826.

Dieses Buch ist ein später Nachfolger von Benjamin Franklins Versuchen mit Blitzableitern, die er an Drachen befestigt hatte.“


Antiquarius: Das kann kein Zufall gewesen sein, das geht genau schon in die Richtung Ihrer Spezialisierung.


Knigge: “Genau, damit war die Richtung vorgegeben und mein erster Katalog mit dem Titel „Technik Handwerk Naturwissenschaften“ wurde am 1. Februar 1996 verschickt.”




Antiquarius: Viele weitere folgten?


Knigge: “Leider sind nur zwölf weitere gedruckte Kataloge erschienen, doch hat sich das antiquarische Umfeld durch die Digitalisierung seither so stark verändert, dass ich nur noch in Ausnahmefällen gedruckte Kataloge machen werde.”


Antiquarius: Stichwort Internet, wie sieht es bei Ihnen mit dem online-Angebot und -Verkauf aus?


Knigge: Auch von Amazon und seinen Töchtern habe ich mich schon länger verabschiedet. Ich setze nicht so sehr auf den Verkauf über Internetplattformen sondern pflege den persönlichen Kontakt mit meinen Kunden und stelle seit langer Zeit auf großen deutschen Antiquariatsmessen aus, von denen für mich leider nur noch die Stuttgarter Antiquariatsmesse von Bedeutung ist.”
© Irene Ferchl



Antiquarius: Und wofür interessieren Sie sich momentan besonders?


Knigge: “Mein besonderes Interesse liegt inzwischen – himmelweit von meinen literarischen Anfängen entfernt! – auf den technischen, wissenschaftlichen und architektonischen Entwicklungen zwischen der Französischen Revolution und dem Ersten Weltkrieg. Eines von vielen spannenden Jahrhunderten, dessen Wirkungen aber im Gegensatz zu den vorhergehenden auch heute immer noch viel stärker zu spüren sind. Stichworte hierzu sind z. B.: von der Dampfmaschine zum Ottomotor, von der Eisenbahn zum Flugzeug, von der tierischen Elektrizität zum weltumspannenden Energie- und Telegraphennetz, von der Holzbrücke zum Brückenbau in Eisen und Beton, von der Camera obscura zur Photographie, vom Druck auf der hölzernen Presse bis zur Rotationsmaschine; vorgestellt auf Gewerbe- und Weltausstellungen, in reich illustrierten Musterbüchern und Verkaufskatalogen, sich in Dekoration und Ornamentik stilistisch entwickelnd vom Rokoko über Klassizismus und Biedermeier bis hin zu Historismus und Jugendstil. Kulturgeschichtliche Bücher, die gerne auch aus dem 18. Jahrhundert stammen können, nehme ich aber auch immer wieder gerne in mein Sortiment auf.”





Antiquarius: Das alles hört sich so an, als wenn Sie immer noch Spaß an der Arbeit haben und es Ihnen nie langweilig wird.


Knigge: “Je länger ich als Antiquar arbeite, desto spannender und schöner wird es. Die Menge der Bücher, von denen ich weiß, dass es sie gibt und die ich gerne einmal erwerben und weiterveräußern möchte, wird fast von Tag zu Tag größer. Und es wächst bei meinen Recherchen natürlich auch die Zahl der Titel, von denen ich noch nichts gehört oder gewusst habe, die ich aber entdecken und dann hoffentlich auch ankaufen kann.”


Antiquarius: Und was machen Sie sonst noch so?


Knigge: “Seit 2012 bin ich im Vorstand des Verbandes Deutscher Antiquare e. V. aktiv und betreue seit kurzem den Katalog der Stuttgarter Antiquariatsmesse wie auch den Gemeinschaftskatalog der GIAQ. Hier schließt sich – für mich – der Kreis zu meiner Ausbildung, indem ich penible Genauigkeit bei der Bearbeitung von Texten und meine langen Erfahrungen für andere Antiquarinnen und Antiquare sinnvoll einsetzen kann.”



Meinhard Knigge bietet als GIAQ-Mitglied übrigens online exklusiv über antiquariat.de an, die Bestände finden Sie hier.





Antiquariat Meinhard Knigge
Meinhard Knigge
Lübecker Str. 143
D 22087 Hamburg
+ 49 (0)40-250 09 15
knigge.antiquariat@t-online.de



Freitag, 25. August 2017

Seit fast 50 Jahren Antiquar in Berlin: Eckard Düwal



















Berlin - Seit nun mehr als 40 Jahren, genauer seit 1969 ist Eckard Düwal mit seinem Antiquariat in Berlin vertreten, zunächst in der Martin-Luther-Straße, später in Schöneberg in der Eisenacher Straße und seit 1975 befindet sich das schöne wissenschaftliche und bibliophile Antiquariat in der Schlüterstraße 17 in Charlottenburg. Es ist mittlerweile eines der letzten großen inhabergeführten Häuser in der alten Berliner Tradition.

Der in der Uckermark geborene Antiquar überläßt aus Altersgründen zunehmend das Tagesgeschäft im Laden Julian Brandis, aber der über 70jährige Inhaber ist immer noch über jedes Detail genauestens informiert und schreibt seit je seine akribischen Titelaufnahmen für die unregelmäßig erscheinenden Listen zu Neuankäufen z.B. von kompletten Fachbibliotheken, die gelegentlich angeboten werden können, sowie den Beitrag des Hauses zum Gemeinschaftskatalog der GIAQ selbst. Eigene Kataloge veröffentlicht er traditionell nicht.


An Messen nimmt das Mitglied des Verbandes Deutscher Antiquare und der ILAB nach vielen Jahren der Regelmäßigkeit nur noch sehr sporadisch teil.


Von 1963 bis 1973 studierte Düwal in Berlin Germanistik, Philosophie, Geschichte und Bibliothekswissenschaft, anschließend war er als Assistent an der FU Berlin tätig.





Neben dem allgemeinen Antiquariat aus allen Gebieten liegen Schwerpunkte bei Literatur, Philosophie und Klassischer Philologie.



Auch für das Antiquariat Düwal ist das Internet heute Hauptumsatzquelle, da die Ladenkundschaft weiter zurückgeht.

ANTIQUARIAT DÜWAL
Inhaber: Eckard Düwal
Schlüterstr. 17
10625 Berlin
Mo-Fr 15-18.00 - Sa 11-14.00
duewal@duewal.de












Donnerstag, 24. August 2017

Bücher und Kultur: Volker Schliwa und sein Team von Antiquarius, Bonn

Bonn - Das Buchcafé Antiquarius in Bonn geht zurück auf eine langjährige Idee und ist am jetzigen Standort in sehr ansprechendem Ambiente realisiert worden. Die gleichzeitige Nutzung von Antiquariat und Café an einem Standort ist das besondere Merkmal dieses Konzeptes.
Der erste Schritt zur Umsetzung dieser Idee bestand im systematischen Aufbau eines umfangreichen Buchbestandes am Standort des Vorgängerantiquariates für Geistes- und Kulturwissenschaften in Köln. Wir möchten dem Besucher Bücher aus zahlreichen Gebieten zum Kauf und/oder zur Lektüre anbieten, bei gleichzeitigem Angebot heißer und kalter Getränke. Auch der Verzehr von Speisen ist möglich (letzteres jedoch ohne gleichzeitige Buchlektüre).
Zur Behaglichkeit und entspannten Atmosphäre sollen auch Jazz und klassische Musik sowie das großzügige Platzangebot beitragen.
Christoph Schäfer von der GIAQ e.G. im Gespräch mit dem Bonner Antiquar (und Gastronomen …) Volker Schliwa:
Was bedeutet der Beruf des Antiquars für Sie?
“Kein Tag ist wie der Andere - und großen Gestaltungsspielraum der Arbeit und auch der Arbeitszeiten. Ideell im Besonderen der Einsatz für das Kulturgut "Buch" in schnelllebiger Zeit, individuell die Annahme der Herausforderung gegen die Untergangsszenarien des Ladengeschäfts.”

Was fasziniert Sie an alten Büchern und Autographen?
“Die "Zufälligkeit" der Bestandszusammensetzung und freie Wahl des Angebots als Unterschied zum Sortiment, aber auch die "eigene" Geschichte jedes einzelnen Buches.”

Wie sind Sie Antiquar geworden?
“Sieben Jahre Tätigkeit für die Versicherungswirtschaft waren keine Berufung. Der Buchverkauf an der Uni und auf Märkten - parallel zum Studium - hingegen schon.”




Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
“Den  größten Zeitaufwand erfordern Bucherfassung, Bestellbearbeitung und Buchankäufe. Nicht zu vergessen natürlich auch die allgemeine Geschäftsverwaltung und Organisation.”

Was war Ihr spektakulärster Fund bzw. Kauf?
“Einer der besten Ankäufe in der Anfangszeit war zugleich auch das größte Lehrgeld (einige Nietzsche-Erstausgaben aus der Bibliothek von Jacques Lacan, die unglücklicherweise viel zu günstig veräußert wurden). Gleichbedeutend mit dem skurrilsten Fund, denn in zweien der Bücher fanden sich jeweils 500 DM-Noten, die ich als "ehrliche Haut" dem damaligen Besitzer überreicht hatte. Zum Dank schenkte er mir den Buchregalklassiker der letzten Jahrzehnte (Billy).”

Von welchen Stücken sind Sie persönlich besonders fasziniert bzw. begeistert?
“Das besondere Buch, dem ein großer Geist Pate stand, aber nicht unbedingt eine große Käuferzahl beschieden ist. Besonders sind alle unsere Bücher aus früherer Zeit, die persönliche Angaben enthalten (Randnotizen von alter Hand, Widmungen, Zeichnungen von Kindern aus dem 19. Jahrhundert (Mann mit Zylinder), o. Ä. Hervorheben würde ich persönlich eher die Geschichte der Menschen, von denen sie erworben wurden, z. B. die promovierte Politikwissenschaftlerin, geb. ca. 1910 (Zeugin des Jahrhunderts) oder die versprengte Französin in Köln, die mir ein Dutzend Mal und bei jedem weiteren Treffen erneut erzählte, dass der Meisterschüler von Otto Dix mit ihr zusammenleben wollte, sie aber nicht mit ihm.”
Wie kommen Sie an Ihre Bücher?
“Ein größerer Teil ergibt sich aus Privatankäufen, im Weiteren Ankäufe aus größeren Beständen wie auch aus Auktionen.”

Wenn man als Laie an alte Bücher denkt, dann denkt man wahrscheinlich als erstes an alte Drucke, die mehrere tausend Euro wert sind und die man sich als Normalsterblicher gar nicht leisten kann. Ist das tatsächlich so, oder haben Sie auch etwas für den schmaleren Geldbeutel?
“Zahlreiche Bücher (meist aus dem Bereich der Wissenschaft), jedoch keine Taschenbücher und nur wenig Belletristik.”

Sie haben den ganzen Tag beruflich mit Büchern zu tun. Haben Sie abends genug von Literatur oder lesen Sie auch privat gerne?
“Aber ja, jeden Tag die Süddeutsche Zeitung, gerne moderne Reiseliteratur (derzeit Patrick Leigh Fermor: Mani - eine faszinierende Gegend!).”
Ich finde Ihr gemischtes Konzept sehr interessant, wie schaffen Sie das eigentlich im Alltag?
Das Konzept im Antiquarius ist inzwischen reduziert auf den enorm gewachsenen und arbeitsintensiven Buchbestand von über 50.000 katalogisierten Titeln.
Die Gastronomie ist also stark eingeschränkt worden und das eigenen Veranstaltungsprogramm zumindest derzeit nicht zusätzlich zu bewältigen (es gibt jedoch weiterhin Veranstaltungen in Kooperation mit dem Germanistischen Seminar der Uni Bonn sowie Kinderlesungen organisiert durch die Stadt Bonn).
Neben dem Internetverkauf sind inzwischen auch Antiquariatsmessen auf unserer Agenda.







Buch und Café Antiquarius
Inhaber: Volker Schliwa
Bonner Talweg 14 / D-53113 Bonn
Tel.: 0228/9267940
Fax: 0228/9267941
info@buch-antiquarius.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10:00 - 20:00 Uhr