Montag, 23. Oktober 2017

Buchwelten in Bad Homburg

Bielefeld - Neuerscheinung im Kerber Verlag: zur Ausstellung Buchwelten, die vom 1.10.2017 - 4.2.2018 im Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg, stattfindet ist das Katalogbuch erschienen.

(c) Kerber Verlag
Herausgeber/Editor
Stiftung Nantesbuch gGmbH, Andrea Firmenich, Johannes Janssen
Texte von / text by
Johannes Janssen
22,00 x 29,00 cm, 144 Seiten
Klappenbroschur/Softcover with flaps
English/German
38,- €
ISBN 978-3-7356-0406-4




Su Blackwell, White Flowers, 2017
"Zeitgenössische Künstler, die sich in ihrem Werk mit Natur und Landschaft auseinandersetzen, richten ihren Fokus immer wieder auf das Buch und die Schrift als Ausdrucksform. Aus beschriebenen Seiten oder geschnitzten Büchern werden Landschaften komponiert und aus natürlichen Materialien entstehen Buchobjekte.
Bücher und Schriften eröffnen dem Leser Bilder, Panoramen, geradezu unendlich viele „neue Welten“. Diese Landschaften erkennen die Künstler auch in den Objekten selbst: In deren Bearbeitungen kommen verschiedene naturhafte Szenarien zum Vorschein wie Horizontlinien, Berge, Täler, Schluchten und Wiesen. Märchen und Geschichten finden ihren bildhaften Ausdruck in Skulpturen, die aus den Buchseiten erwachsen oder in Büchern aus Glas, die in ihrer transparenten Anmutung verwunschene Wälder und das tiefe Meer sichtbar werden lassen. 

 Das war nun freilich eine merkwürdige Gegend. Alles war aus Büchern. Die Berge, die Tannen, sogar die Blumen waren kleine Büchlein aus rotem Saffian, nicht größer als die Taschenkalenderchen. Wenn man daran roch, dann wußte man gleich eine schöne Geschichte. Auch die Vögel waren Bücher und sangen in Versen von Frühling und Liebe.
Ernst Penzoldt
Anselm Kiefer, Mutterkorn, 2010
Gedruckte Textpassagen berühmter literarischer Werke werden in Aquarelle übersetzt, die den Grenzbereich zwischen Wort und Bild überspannen. Werden Wörter oder ganze Sätze auf Buchseiten übermalt, ergeben die stehen gelassenen Worte völlig neue bildstiftende Inhalte und muten wie Wort-Landkarten an.
Auch das zerstörerische Zusammenspiel zwischen dem Buch und dem Element Feuer wird in der zeitgenössischen Kunst reflektiert: verbrannte Bücher werden zu eindrucksvollen Bildern für ihre Gefährdung durch Mensch und Natur.
Ebenso die Frage, ob das Buch ein dauerhafter Begleiter der Menschheit bleibt oder ob es als Kulturgut schon längst „unter Naturschutz“ stehen sollte, beschäftigt die Künstler. So wird das Museum Sinclair-Haus durch diese Ausstellung zu einer universellen Bibliothek, in der unterschiedlichste künstlerische Ausdrucksformen ihren Raum haben.
Künstlerinnen und Künstler: Su Blackwell, Jonathan Callan, Thimo Franke, Hubertus Gojowczyk, Sharka Hyland, Anish Kapoor/Brighten the Corners, Gunther Keusen, Anselm Kiefer, Cornelia Konrads, Alicja Kwade, Guy Laramée, John Latham, Alicia Martín, Michael Merkel, Nanne Meyer, Hannes Möller, Lori Nix, Katie Paterson, Max Schmelcher, Irem Tok, Stephanie Wolff, Peter Wüthrich, Yi Sun
Mit Leihgaben aus der Hohenheimer Holzbibliothek (Xylothek)"
Text: Museum Sinclair-Haus

Freitag, 20. Oktober 2017

Qualität vor Quantität ! Ink Fair London 25. bis 27. Oktober 2017


London - Eine weitere Messe in London ist anzuzeigen, aber was für eine ! Zum zweiten Mal werden einige wenige hochkarätige Aussteller einige ihrer Spitzenstücke und weitere Raritäten ausstellen und im luxuriösen Ambiente zum Verkauf anbieten.


Im Interview im Börsenblatt erzählt die Erfinderin und Mitorganisatorin Ines Bellin über die Messe und die Ideen dahinter.


Hier finden Sie den Weg zum Katalog.





Eine hommage an den Buchhandel

(c) eden verlag

Berlin - Im Verlag Eden Books ist ein wunderschöner Bildband erschienen, der im Titel die von Jules Verne 1873 veröffentlichte abenteuerliche Reise des englischen Professors Phileas Fogg und seines pfiffigen französischen Dieners Jean Passepartout persifliert.

Hier gilt es allerdings nicht eine Wette zu gewinnen, sondern der Autor Torsten Woywod hat sich selbst den Wunsch erfüllt, die schönsten Buchhandlungen weltweit zu besuchen und sie für uns zu beschreiben und zu illustrieren.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Wie bei James Bond: das Buch das nicht warten kann ...

Buenos Aires - Ein seltsames Buch ist erschienen, "El Libro Que No Puede Esperar" ("The Book that Can‘t wait"), öffnet man die das Buch umgebende luftdichte Plastikhülle hat man ca. zwei Monate Zeit das Buch zu lesen, dessen Druckerschwärze nach dieser Zeit zur Unleserlichkeit verblasst - ein Sakrileg für uns Antiquare, außer man sammelt original-verschweißte Bücher, aber ein Segen für manchen Leser, der so gezwungen wird, sich konzentriert mit dem Inhalt des Buches, es handelt sich um zeitgenössische lateinamerikanische Texte, zu beschäftigen.

(c) eternacadencia.com
Aus dieser Sicht eine sehr gute Idee des argentinischen Verlegers, der so für die nötige Aufmerksamkeit für seine Autoren und Bücher sorgt und sie in seiner wunderschönen Buchhandlung auch gleich selbst verkauft.


Samstag, 14. Oktober 2017

Weihnachtsbuchmesse in London


London - Die PBFA (Provincial Booksellers Fair Association) wird Anfang Dezember ihre diesjährige Weihnachtsmesse im Holiday Inn in Bloomsbury durchführen.


"Thousands of beautiful, rare collectable and quirky books, prints, photographs and ephemera will be offered for sale at prices to suit every enthusiast. We welcome collectors old and new to join us for this special festive treat."


Freitag, 13. Oktober 2017

Bücher-Fahrrad in Ägyptens Hauptstadt

(c) BooksBike.com

KairoMohamed Abu El Soud hatte eine gute Idee. Wenn manche Vororte Kairos zwanzig Kilometer von der City entfernt sind, in der es Buchhandlungen gibt, warum dann nicht die Bücher zu den potentiellen Kunden bringen ?

(c) BooksBike.com
Ein umgebautes Lastenfahrrad wird so zur ambulanten Buchhandlung. Hier findet sich übrigens ein Beitrag des Deutschlandfunks zum Thema und hier die facebook-Seite der Buchhandlung.

(c) BooksBike.com

Montag, 9. Oktober 2017

Salone della Cultura - 20. und 21. Januar in Mailand: Antiquariatsmesse und mehr ...



Mailand - Vom befreundeten Antiquar Sergio Malavasi, Buchhändler und auch Betreiber der italienischen Plattform für antiquarische Bücher maremagnum.com erreicht uns die Einladung zur Teilnahme an einer von ihm mit organisierten Kulturveranstaltung, dem “Salone della Cultura”, einer der Buchkultur gewidmeten Veranstaltung in der norditalienischen Metropole.





Im Januar 2017 besuchten 30.000 Interessierte diese neue Veranstaltung, im zweiten Anlauf sollen es nun noch mehr werden, zumal in einem speziellen Bereich diesmal auch italienische und ausländische Antiquare eingeladen sind, ihre Schätze zum Verkauf  zu präsentieren.


Ein durchschnittlicher Stand von 3 x 2 Meter Größe mit Tisch etc. wird 990 Euro + MwSt. kosten, mehr Details im Folgenden, bzw. auf der website:


“The Salone della Cultura was born in Milan in January 2017, and since its very first edition it has had a great success: 35,000/37,000 people have come. The result was exceptional. Being able to involve readers, collectors, bibliophile and “seekers of paper treasurers” in a common celebration that celebrates the book’s culture in all its facets. The main idea is to unify the different worlds of the book: the publishers with their novelties, the booksellers of secondhand and the collectors.


Since 2018 edition ALAI/ILAB/LILA has come to be part of it. A big event where book will be the absolute protagonist and Milan the center of the European book culture for two days. The promoters are two well-established bookmakers in the italian book world: Matteo Luteriani, publisher of Luni Editrice and Sergio Malavasi of Maremagnum.com.
The general organization of the Salone della Cultura is under the direction of Matteo Luteriani.
The event’s home is located in one of the most trendy areas in Milan, well-known for the “fuorisalone” exhibition during the world furniture exhibition (Salone del mobile): Superstudio Più.





These are the datas of 2017:


* 2 days of exposure (21 and 22 January 2017)
* Covered indoor area: 6,300 sqm
* Exhibitors: Over 250 booksellers, publishers, foundations and collectors
* Public: Approximately 35,000 people
* Exhibitions of art and photography: 7
* Courses open to the public: 3 general courses: pop up book making, engraving course, goldsmith’s course
* Print your book for free: 1156 authors have taken 10 copies of their free book of 400,000 pages printed
* High school students were involved in the organization: 140 students (junior, senior year)


Edition 2018 - January 20 and 21


Thanks to an agreement signed with A.L.A.I. which involves the participation of Italian and international antique booksellers, we have reserved a space dedicated to the world of antique books and antique booksellers. For the first time in the world all these realities will have their own and appropriate space to their importance and together we will create a great international cultural moment.


To participate


The antique booksellers will have a completely reserved space, set up in two very simple ways:
• a 3x2 meter stand
• 200 x 100 cm table + 5-storey glass showcase. In order to be able to participate, you must have a minimum of 1 table + 1 showcase for a total of 450.00 euro + VAT. It is possible to add the number of tables and showcases as much as it’s needed.


Below the details’ costs:
* Pre-installed stand: 3m length x 2m depth, 3 shelves on the bottom wall, 3 shelves on the right or left wall (one depending on positioning), 1 showcase A format or B format as desired (to be specified); 1 table 100x60cm; 1 chair; 1 light socket: € 990.00 + VAT (€ 1207.80 total) * 200x100cm table, complete with flame retardant cloth + 1 chair + 1 socket + 5-storey A or B case: 450,00 euro + VAT (€ 549,00 total) - each additional table: € 200,00 + VAT (€ 244,00 total) - each additional showcase: € 250.00 + VAT (€ 305.00 total) - each additional chair: € 10 + VAT (€ 12.20 total) Any other specifics to participate it can be found at:





Donnerstag, 5. Oktober 2017

Bücherfeinde

Von Bundesarchiv, Bild 102-14597 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5415527



Bestellnummer: 1014468

Mitglieder19,95 €
Nichtmitglieder 24,95 €



Der englische Buchdrucker William Blades (1824-1890) macht in diesem bibliophilen Klassiker mit den größten Feinden des Buches bekannt. Denn ob Brandkatastrophe oder Frühjahrsputz, Bücher sind ständig von allen Seiten bedroht! Die ›Angriffe‹ reichen von historisch-bedeutsam bis unterhaltsam-skurril. Ein Muss für alle Büchernarren!


ISBN: 9783534264988

  • Seitenzahl: 136
  • Auflage: Sonderausgabe der 1. Auflage 2012
  • Broschur
  • Sprache: Deutsch
  • Illustrationen: 7 Illustrationen, schwarz-weiß

Feuer und Wasser, Gas und Hitze, Staub und Vernachlässigung, Ignoranz und Engstirnigkeit: Bücher können auf vielerlei Art zu Schaden kommen. William Blades schildert voller Humor und Liebe zum Buch die zahllosen Gefahren, denen Druckwerke zu allen Zeiten ausgesetzt waren. Dabei sind es beileibe nicht nur Naturkatastrophen und politische Umwälzungen, die ganze Bibliotheken vernichten. Oft richten gerade die kleinsten (Buch-)Würmer den größten Schaden an. Übereifrige Dienstboten attackieren schweinslederne Bände mit dem Staubwedel, 'unschuldige' Kinder ruinieren teure Folianten im Spiel. Der englische Buchdrucker William Blades (1824-1890) spricht aus reicher Erfahrung, war er doch als Restaurator tagtäglich mit den Folgen unsachgemäßer Behandlung konfrontiert. In seiner Einführung lässt Hektor Haarkötter das Leben dieses ebenso besessenen wie kuriosen Mannes und die Geschichte der Buchschädlinge Revue passieren. Im angelsächsischen Sprachraum sind "Die Bücherfeinde" längst ein Klassiker. Jetzt liegen sie erstmals in deutscher Übersetzung vor.


Sonntag, 17. September 2017

1968 – Pop, Protest und Provokation in Westfalen

Oelde - Am 24. September um 16.00 Uhr wird eine Ausstellung zur 1968er-Bewegung auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg eröffnet.

Von Varus111 - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8843734

"Anti, anders, revolutionär – das sind Stichworte, die das Herz der 1968er-Generation bewegten. Die Ausstellung "Pop, Protest und Provokation" zeigt anhand literarischer, fotografischer und filmischer Dokumente, dass man in Westfalen während der 68er-Bewegung keineswegs „hinter dem Mond“ lebte. Es entwickelte sich eine lebendige Underground-Szene, Franz Josef Degenhardts Protestsongs waren in aller Munde und amerikanische Muster der Beat-Generation wurden adaptiert, um sie in der Lyrik und im Journalismus weiterzuentwickeln. Dieser bunte Mix wird so im Museum für Westfälische Literatur erstmals als Gesamtbild präsentiert. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 24. September, um 16.00 Uhr."

Pflasterstein mit Anstecker „Enteignet Springer“, 1969 Sammlung Kindheit und Jugend (Stiftung Stadtmuseum Berlin), Wallstraße, Berlin-Mitte

„1968 ließen sich auch in Westfalen zahlreiche junge Autoren von der Underground-Literatur in den USA zu eigenen Texten anregen. Es wurden Happenings inszeniert, Pop-Art-Filme gedreht, avantgardistische Zeitschriften gegründet und auf der Theaterbühne der Versuch unternommen, politisches Volkstheater ins Leben zu rufen“, sagt der Museumsleiter und Ausstellungsinitiator, Professor Walter Gödden. Diese Vielseitigkeit veranlasste Gödden dazu, in seinem gleichnamigen Buch zur Ausstellung „1968 – Pop, Protest und Provokation“ unterschiedlichste Texte aus dieser Zeit zusammenzutragen und eine Rundumschau der damaligen Bewegung zu schaffen.

„Die Autoren wollten mit ihren Texten agitieren, mobilisieren und provozieren. Ihr ästhetischer Anspruch war eher gering. Es ging den Autoren nicht darum, einen neuen Goethe zu erfinden“, fasste Walter Gödden die Beweggründe der Literaten dieser Zeit zusammen. Unter dem Motto der Provokation standen bereits die beiden Prologausstellungen „We want to make a Revolution - Der Herforder Jaguar-Club“ und „Sexy, Mini, Flower, Pop-Op. Charles Wilp: Werbung, Fotografie, Universalkunst“. Die dort angesprochenen Themen der Erotik und der sexuellen Befreiung spielen auch in die Hauptausstellung hinein, die einen Blick auf die höchst heterogene Literaturszene der 1968er Jahre wirft.

Die Bedeutung dieser Bewegung für Westfalen zeigt sich dabei vor allem in der sozialen Literatur, die in dieser Zeit starke Wurzeln ausbilden konnte. So wurde auch Literatur als Massenbewegung zu einem Thema. All diese Aspekte werden in der Ausstellung aufgegriffen, die bis zum 28. Januar im Museum für Westfälische Literatur zu sehen sein wird. Im Frühjahr 2018 soll dann der Ausstellungs-Epilog „Mein 68“ folgen. Für diese Schau kann jeder sein Lieblingsexponat – sei es Text, Buch oder Schallplatte - aus dem Jahr 1968 zur Verfügung stellen. Unter der Beteiligung von Autorinnen und Autoren sollen diese Exponate Gegenstand einer Museumsinstallation werden und in eine Dokumentation einfließen. Auch dem Nachhall und den Auswirkungen dieser epochalen Bewegung auf den Einzelnen bis in die heutige Zeit versucht das Ausstellungsexperiment damit in Form persönlicher Exponate Rechnung zu tragen.

Eine Ausstellung der LWL-Literaturkommission für Westfalen in Verbindung mit dem Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn (IMT) und dem Kulturgut Haus Nottbeck. Ausstellungsinstallation und Gestaltung: Jeremias H. Vondrlik. Das Projekt wird gefördert durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost."

(c) Aisthesis Verlag

Das Materialienbuch „1968 – Pop, Protest und Provokation“, herausgegeben von Walter Gödden in Verbindung mit Fiona Dummann und Claudia Ehlert, erschien im Aisthesis Verlag und kann für 29,80 Euro im dortigen Literaturmuseum oder im Buchhandel erworben werden.

Freitag, 15. September 2017

Walther Rathenau in der Deutschen Nationalbibliothek

Frankfurt am Main - Das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 der Deutschen Nationalbibliothek lädt zu folgendem Vortrag ein:

"Walther Rathenau – Leben und Werk eines konservativen Liberalen // Vortrag von Wilhelm von Sternburg // Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main // Donnerstag, 5. Oktober 2017, 19 Uhr

Geboren vor 150 Jahren, wurde der spätere Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, zum Repräsentanten eines neuen Bürgertums, das den wirtschaftlichen Aufbruch Deutschlands und den Weg der europäischen Staatenwelt in den Ersten Weltkrieg entscheidend mitbestimmen sollte. 

Von Bundesarchiv, Bild 183-L40010 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5435081

Dabei blieb er stets ein Außenseiter – auch als Jude in einer Gesellschaft mit latentem und bald virulentem Antisemitismus. Als Walther Rathenau 1922 von Rechtsradikalen auf offener Straße niedergeschossen wurde, versammelte sich das demokratische Deutschland zum letzten Mal zu einem massenhaften Protest gegen den rassistischen Wahn und die Stimmen der Gewalt, die die deutsche Republik schließlich zerstören sollten.




Von Unbekannt - Bild-Archiv Kultur u. Geschichte, München, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3012322



























Der Publizist Wilhelm von Sternburg spricht über Leben und Werk eines konservativen Liberalen, der die Widersprüche seiner Epoche widerspiegelt."
Eintritt frei
Die Bibliothek bittet um Anmeldung unter  oder +49 69 1525-1961.

Samstag, 9. September 2017

Mehr Bücher im Büchermeer ...

Lyon - In einer kleinen Seitenstraße, der rue Joséphin Soularyunweit des Zentrums der Rhonestadt liegt das bescheidene Büro von livre-rare-book, der französische Partner der GIAQ e.G. und ihrer deutschen Buchplattform antiquariat.de.




Neben der eigenen französischen Plattform mit 570 Antiquaren und ihren 3 Millionen Büchern betreibt Pascal Chartier für seine europäischen Freunde auch noch marelibri.com, dort werden von 2000 Händlern u.a. aus den Niederlanden (antiqbook.com), Deutschland (antiquariat.de), Frankreich (livre-rare-book.com), Spanien (uniliber.com) und Italien (maremagnum.com) ungefähr 20 Millionen Bücher angeboten.

Seit 2007 arbeiten die Partner zusammen, zwischenzeitlich kam noch eine amerikanische Plattform (biblio.com) hinzu, zusätzlich werden auch die Angebote der ABAA, der IOBA und der "Books at PBFA" mit durchsuht und passende Ergebnisse angezeigt.


Dieses Portal vereinigt das Angebot aller separaten Plattformen der Vereinsmitglieder und kann mit einer einzigen und in ihrer Funktion herausragenden Suchmaschine recherchiert werden. Buchliebhaber können damit auf mehr als 20 Millionen Buchtitel von etwa 2000 Antiquaren und Buchhändlern zurückgreifen.





Eine der letzten Neuerungen der Mannschaft in Lyon war die Erstellung einer App für Android-Smartphones, die marelibri durchsucht. Wenn man den obigen QR-Code scannt, sollte sich die App öffnen. 

Mangels technischer Ausrüstung konnte der Chronist diese Funktion leider nicht selbst testen.




Donnerstag, 7. September 2017

Aus dem Arbeitszimmer ins Antiquariat und wieder zurück - die Wege des Antiquariats Beutler

Bremen - In der Bremer Schildstraße wirkt quasi im Verborgenen der Antiquar Edgar Beutler, der sich uns hier vorstellen wird.


Sagen Sie mal, lesen Sie eigentlich?


"Als ich vor Jahren in einem Antiquariat, das vor allem Bücher nach 1945 führte, einen Job annahm, hielt ich diese Arbeit für eine anziehende Zwischenlösung, die den Vorteil bot, mich ganz nahe an die Bücher zu bringen, die ich mir nicht leisten konnte und all die Bücher, von denen ich nur gehört hatte und die ich jetzt bekommen konnte: denn ich war der Erstsichter und es lag an mir, mich für oder gegen sie zu entscheiden. Und sollte ich von mir gemeint haben - wenn ich ein Buch ins Schaufenster legte - dass ich zu den wenigen gehörte, die dieses oder jenes Buch lasen, so konnte ich sehen, dass das erfreulicherweise nicht stimmte, denn sie wurden schnell wieder aus dem Schaufenster gepflückt und zu mir, der ich an der Kasse stand, gebracht. Tolles Erlebnis. Aus der Passion mitten in den Umtrieb."

Kann man von dieser Arbeit überhaupt leben?

"Tatsächlich konnte man von dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten, das hatte ich nicht recht glauben wollen. Ich machte mich schnell selbständig, entschloß mich, neben Kunst, Philosophie und eben der schönen Literatur, Kenntnisse für andere Gebiete zu erwerben, denn ich konnte mich ja nicht immer nur wärmen und den Neigungen nachgeben – tatsächlich wollte ich nichts mehr sein als ein Neigungs-Antiquar. Viele der Bücher, die ich später ankaufte, wurden älter und ehrerbietiger, das Sortiment breiter; wenn es auch dauerte. Die Vorstellung, eine Bibliothek zu beherbergen und zu betreuen, dann die Bücher wieder ziehen zu lassen, nachdem sie durch meinen Besitz gelaufen sind und mich neuen zuzuwenden, ist betörend genug. Die Verfügbarkeit, an ein Regal zu wandern, manchmal wild zu lesen, zuweilen zu flanieren im Text und schließlich sich einzulesen, ist neben der Nüchternheit des Geschäftsalltags ein bleibender Euphemismus.
Wenn ich auch die Tätigkeit mit Fleiß und Mühe zu dem zu machen hatte, was nach meinen Begriffen, „Arbeit“ war, es blieb eine Tätigkeit, die mir viel Zeit ließ und bei aller Ernsthaftigkeit des Handelns nicht an das heranreichte, was an Plackerei oder Mühsal erinnert. Natürlich: Sorgen, ob es reicht; öfter mal. Die Erwerbung von Fähigkeiten, die meinen Geschäftssinn stärken sollten, vernachlässigte ich auch noch.
Dass man also tatsächlich mit solchen Eigenschaften, als da sind: wenig Geschäftssinn, mit dem Habitat und dem Habitus des Lesers und einem zurückhaltenden Auftreten ein Geschäft durch 20 Jahre bringen kann, das ist ein starkes Argument für diesen Beruf und für mich Anlass zu frohem Sinn. Denn man kann sich das Geschäft so einrichten, wie es zu einem passt. Das ist der eigentliche Charme dieses Berufs, dass er die Individualität gestattet. Man muß sich nicht zurechtrücken und keine Berufsmontur anziehen. Die Stellenbeschreibung hinsichtlich Arbeitsinhalten, Zeitplanung und Zielen entwirft man eben selber. Und meine Homepage ist karg wie ein zertrümmerter Stein. Ich muss nicht so tun, als wollte ich mit der Zeit gehen oder als müßte ich. Ich hörte oft, dass meine Homepage meine Visitenkarte sein soll. Dann soll die Schlichtheit die Visite machen."


Sollte man nicht einen Laden haben?

"Aus dem Ladengeschäft zog ich mich nach 10 Jahren zurück. Kein Schaufenster mehr: schade. Vorbei das Vorführen der Bücher dem aufgeschlossenen Kunden: auch schade. Sich selbst aber das Absitzen von Öffnungszeiten ersparen mitsamt der Entrückheit von dem Treiben auf der Straße: Klasse!  Für das Quartier und die urbanen Flaneure bedeutet das Verschwinden eines Antiquariats ein Verlust an Ambiente, aber darüber hinaus halten sich die Verlustanzeigen in Grenzen.




Was den Ankauf betrifft, so bin ich ein Herumfahrender, der pflückt und manchmal gräbt. Wenn man für einen Ankauf mal vor einer Bücherwand steht, dann weiß man, dass man das Wissen mit sich herumträgt. Was ich nicht mache: Riesenmengen an Kisten aus Wohnungen tragen. Mit dem Rückzug aus dem Laden geht das. Es ist die freundliche  Stille zur Tätigkeit zurückgekehrt. Ich genieße das bis heute. Das Verschriftlichen des Gegenständlichen braucht eine gewisse Mentalität. Der Wechsel von Rückzug und Auszug, Einkehr und Auskehr ist mir sehr angenehm. Aber ganz anders, als man vielleicht denkt, verschafft das Pensum viele soziale Freiräume. Und Programmkinos, Theater, Kunsthalle sind auch noch in Laufweite. Das Grundgefühl, eigentlich immer die Zeit zu haben, die man verlangt, ist durch nichts zu toppen."


Antiquariat Beutler
Edgar Beutler
Schildstraße 1
28203 Bremen
Tel.: 0421 703005

www.Antiquariat-Beutler.de







Mittwoch, 6. September 2017

To read: Book Row ...

NY, Fourth Avenue/ 10th Street, (c) NYPL 
New York - Bereits im Jahre 2004 ist das sowohl für Sammler, als auch Antiquare interessante Buch "Book Row - An Anecdotal and Pictorial History of the Antiquarian Book Trade" von Marvin Mondlin und Roy Meador bei Carroll & Graf in New York erschienen.

Darin wird die Geschichte von fast 50 Antiquariaten und ihren Inhabern aus einer Zeitspanne von mehr als 70 Jahren anschaulich und mit Dokumenten sowie einigen Photographien illustriert geschildert.

Das Fazit der Kollegen, die auch schon zu ihrer Zeit mit zahlreichen Problemen wie Mieterhöhungen, Kündigungen, Razzien wegen angeblicher Verbreitung von Pornographie, Hehlerei und dem Aufkommen von Massenware, die verramscht werden mußte, zu tun hatten: reich sind wir nicht geworden, aber es hat Spaß gemacht.

Das Besondere an der "Book Row" war, daß an einer einzigen Straße (und in ihrer Nähe) in New York zeitweise gleichzeitig mehr als 30 Antiquariate angesiedelt waren.

Der Zusammenschluß der an der Fourth Avenue gelegenen Antiquariate zu einer Interessengemeinschaft war neben der ILAB-Gründung (International League of Antiquarian Booksellers) letztlich sogar Vorbild für die Gründung der ABAA, der Antiquarian Booksellers' Association of America.

Der Niedergang begann, als in den 1960er Jahren die Bodenspekulation in New York dazu führte, daß die Gebäude, in denen sich die Antiquariate befanden, abgerissen wurden, um sehr viel höheren und somit lukrativeren Platz zu machen.

Zahlreiche Traditionshäuser existieren seitdem als reine Versand- oder Etagenantiquare, der einzige der Läden, der nach seinem Umzug an den nahegelegenen Broadway bis heute überlebt hat ist ein ganz besonderer: "The Strand".

Von Beyond My Ken - Eigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17344045

The Strand Bookstore, at 828 Broadway at the corner of East 12th Street in the East Village neighborhood of Manhattan, New York City, near Union Square, advertises that they have "18 Miles of Books". When it was founded in 1927 on nearby Fourth Avenue, it was one of 48 bookstores along what was called "Book Row", which began in the 1890s, but did not survive into the 1980s. (Source: "Strand History" at the Strand Bookstore website)
Dem Schreiber dieser Zeilen ist vergleichbar nur der verdienstvolle, von Christian Lenhardt herausgegebene Band von Erich Carlsohn, "Lebensbilder Leipziger Buchhändler", 1987 bei List und Francke erschienen, bekannt, der sich auch mit den dort arbeitenden Antiquaren beschäftigt. 

Einmal ein ähnlich interessantes Buch über die Antiquariatsgeschichte der letzten hundert Jahre in Wien oder Berlin zu lesen wäre ein großer Gewinn für uns alle.

Mondlin/ Meador: 
Book Row
New York, Carroll & Graf 2004
XXI; 405 p. ills.
ISBN 0-7867-1305-4