Freitag, 23. Februar 2018

Abermillionen "Bücher" auf den Plattformen

Internet - So kann man den Bestand "antiquarischer Bücher" auf fast allen Plattformen natürlich auch aufblähen. 


Von BoD - Books on Demand - http://www.bod.de/presse/downloads.html, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50685937

- Beispielbild für die dahinterstehende Technologie -
Nun werden "print-on-demand"-Titel offensichtlich sogar in Leder gebunden angeboten und zwar aktuell genau 14.646.976 Exemplare von nur einem einzigen Händler

Ein anderer hat "nur" 8.964.306 broschierte Exemplare im Angebot: "S N Books World distribute books published by Pranava Books. Pranava books reprints books in three editions: 1. Paperback 2. Hardbound 3. Large size."

Ich vermute, daß sich bei genauerer Suche noch weitere Abermillionen "Bücher", nein, es müßte ehrlicherweise "Dateien" heißen, finden lassen, die man sich auf Wunsch ausdrucken, eventuell in Leder einschlagen und aus Indien schicken lassen kann, wobei sich zur Qualität der Bindungen, sei es Broschur, oder Leder aus eigener Anschauung nichts sagen läßt, zur "Qualität" der google-scans jedoch durchaus. Hier kann sich ein jeder selbst ein Bild davon machen, wie oft Seiten dort fehlerhaft bis zur Unleserlichkeit reproduziert wurden, es arbeiten ja auch daran meist Maschinen und kaum Menschen, von den oft nicht ausgeklappten Tafeln und Karten einmal ganz abgesehen.

Wohlgemerkt, es geht mir nicht um die immer schon von Antiquaren angebotenen Nachdrucke, Reprints oder Faksimiles, sondern nur um das systematische Anbieten von Dateien, die google weltweit in Bibliotheken durch das Scannen physisch vorhandener Bücher erzeugt hat und das Angebot unter falscher Flagge diese auf Wunsch auszudrucken und in gebundener Buchform an den Kunden zu liefern. Das Problem ist ja auch, daß diese Anbieter sehr bewußt die Erscheinungsorte, Verlage und Jahre der Originalausgabe und nicht des potentiellen Nachdruckes in die dafür vorgesehenen Felder der Datenbanken einspeisen, was zusätzlich für Verwirrung sorgt.

Das Anbieten solcher google-Ausdrucke halte ich zwar für ein legitimes Geschäftsmodell, allerdings haben diese Händler mit ihren nicht vorhandenen Büchern eigentlich nichts auf Antiquariatsplattformen zu suchen auf denen "echte" Bücher angeboten werden, sie blähen dort nur unnötig die Bestände auf und unterminieren mit ihren Praktiken letztlich die Werthaltigkeit, die Preise echter antiquarischer Bücher. 

Die genossenschaftlich organisierte Plattform antiquariat.de dürfte m.W. die einzige sein, auf der diese "Buchdateien" generell nicht angeboten werden dürfen und auch nicht werden. 

Einige wenige physisch vorliegende Exemplare, Stand heute: 49 Titel, bei denen "print on demand" im Beschreibungstext vorkommt, können hier als Folge der Welle allerdings auch gefunden werden, bei bewußt "nur" ca. 5 Millionen Titeln eine Anzahl, die zu vernachlässigen ist.

CS